Was Urheberrecht mit Wissenschaft zu tun hat

In letzter Zeit befasse ich mich immer wieder unfreiwillig mit dem Thema Urheberrecht (Mit Wissenschaft ja sowieso). Unfreiwillig deswegen, weil einige meiner geschätzten Podcaster immer wieder davon reden müssen (siehe nebenstehende Pocast-Liste. Vor allem sei hier die 50 Folge von WMR erwähnt, in dem sich Sascha Lobo und mspro ein Duell liefern (mit Gewinner Lobo durch beinahe KO)).

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin kein Freund von mspros These, das Urheberrecht abzuschaffen. Leider fiel mir heute morgen bei der Lektüre des Aufsatzes „Politische Öffentlichkeit Ein system- und akteurstheoretischer Bestimmungsversuch“ von Jürgen Gerhards (semi-freiwillig fürs Studium) ein Argument oder vielmehr ein Gedankengang ein, der letztlich FÜR die Abschaffung des Urheberrechts spricht, ein. Im Sinne des nun folgenden, werde ich das Argument aber trotzdem ausführen.

Während Herr Gerhards also von Öffentlichkeit, Systemen und Akteuren schwadroniert, bemerke ich, dass Wissenschaft auf dem Gegenteil von Urheberrecht basiert, einer Art Anti-Urheberrecht. Ausgelöst wurde dies e Erkenntnis durch einen Nebensatz in Jürgens Ausführungen, nämlich: „Wer in der Wissenschaft erfolgreich sein will, muss publizieren[…]“

Das Prinzip „Standing on the shoulder of giants“, das Urheberrecht und die Wissenschaft

Erklärung: Wer in der Wissenschaft erfolgreich sein will, muss nicht nur publizieren, sondern Anknüpfungspunkte liefern. Denn das wissenschaftliche Verständnis ist nicht das eines besitzenden Autors, sondern des theoretisierenden Praktikers. Oder anders ausgedrückt, ist die Wissenschaft die Kunst des Verstehens.

Der Anknüpfungspunkt zum Urheberrecht ist nun folgender: Anerkennung (Prominenz) basiert für Urheber in dem Verkauf ihrer Produkte. Anerkennung basiert für Wissenschaftler auf der Verfügbarmachung ihrer Produkte und der gewollten Beschäftigung damit und letztlich der Veränderung. Tatsächlich gilt die möglichst häufige Zitation eines Werkes als Relevanznachweis.

Der Gedanke hinter der wissenschaftlichen Verbreitung von Werken, ist der Glaube durch Forschung und Kommunikation die Menschheit voranbringen zu können. Offenbar gilt diese Prämisse nicht für Produkte der Kunst.

Der offensichtliche Einwand ist: Künstler müssen von dem Konsum ihrer Produkte leben können, Wissenschaftler müssen das in der Regel nicht (Bedingungsloses Grundeinkommen bzw. Kulturflatrate ick hör dir trapsen…). Ganz so einfach ist das aber (leider) heute nicht mehr. Forschung und Forschende sind ständig genötigt Evaluationen über sich ergehen zu lassen (Artikel im Spiegel letzter Woche) und Fördermittel einzutreiben. Und wer nicht „performed“ d.h. publiziert, bekommt auch keine Förderungen bis man schließlich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Wie bei Künstlern eben auch.

Ob dieser Ansatz zu einer Lösung des Urheberrechts-Problems beitragen kann, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Aber ich finde den schon mal ganz interessant, darüber nachzudenken.

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