Betonmischer und Flugzeuge – Überlegungen zur Hornbach Kampagne

Was hier jetzt kommt, tut mir Leid für Hornbach und die Hornbach Kampagne an sich. Eigentlich mag ich nämlich die aktuelle Kampagne ganz gerne, ist sie doch immer noch deutlich frischer als die neuere des Konkurrenten OBI „gebaut, geschaukelt, gekotzt“ (oder so ähnlich).

Das Problem

Seit längerem bietet Spiegel Online ja nicht mehr nur Text und Bilder, wie es sich für das Spin-off eines Printmagazines gehört, sondern ist mittlerweile auch mit dem boulevardesken Spiegel TV verbunden. So kommt es, dass, wenn man nicht aufpasst statt einer Bilderstrecke, ein Video lädt. Gestreamlinte Benutzererfahrung nennt man so was wohl. Seit noch kürzerem treibt man bei Spiegel auch die Monetarisierung forcierter voran, indem die Beiträge  unvermittelt mit Werbung unterbrochen werden oder – wie schon länger jetzt auf Youtube verbreitet – Werbung vorgeschaltet wird.

Gut, ich klickte vorgestern auf einen Artikel zum Flugzeugabsturz einer russischen Maschine in Indonesien. (Eine Meldung, die meiner Meinung auch schon viel zu schnell wieder aus den Schlagzeilen verschwang, das aber nur am  Rande).  Hinter dem Aufmacherbild verbarg sich nicht wie in den meisten Fällen eine Bilderstrecke, sondern ein Video.

…und was die Hornbach Kampagne damit zu tun hat

Doch statt einem journalistischen Beitrag, in dem Bilder der Unglückstelle, Betroffeneneninterviews und Archivbilder der verünglückten Machine zu sehen sind, blicke ich zunächst in einen Betonmischer. Gefolgt von einem Mann um die 40, der aus Gründen einen Presslufthammer in seinem Keller einsetzt. Dann belastet ein Schlagzeuger seinen und meinen Gehörgang bis zur Schmerzgrenze. Die Bildsprache ist düster eher aggressiv. Der Nachrichtenbeitrag startet unvermittelt direkt nach einen letzten Blick in den Betonmischer.

Wer sich regelmäßig (legal) Videos im Internet  anschaut, kennt obiges Problem sicher schon, Youtube wirbt für Kriegsshooter vor Musikvideos, Energieunternehmen vor Sportclips und Kärcher vor Civil Journalism.

Ja und?

Dies ist eine Verletzung des „Recht[s] der Zuschauer auf eine klare Trennung zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten (vor allem durch akustische oder optische Mittel)“, festgelegt von der EU und in Deutschen Gesetzen überdies mit der Trennung von offentlich-rechtlichem und privaten Rundfunk besonders festgelegt. Im Rundfunkstaatsvertrag heißt es dazu in § 6 Abs. 3: „Werbung muß als solche klar erkennbar sein. Sie muß im Fernsehen durch optische Mittel eindeutig von anderen Programmteilen getrennt sein.“

Wo ist aber bitte der Unterschied zwischen redaktionellem Inhalt im Fernsehen und im audiovisuellen Internet? Ich würde sogar behaupten, dass die Überlegungen, die zu dieser Regelung geführt haben, bei Angeboten, die on-demand, wie im Internet üblich, abgerufen werden, verschärfend wirken.

Was ich sagen möchte: Werbung ohne Kennzeichnung in oder um Online-Videos sind m.E. nicht zulässig und verletzen den Rundfunkstaatsvertrag.

Und damit habe ich noch gar nicht zur Angemessenheit gesagt, worum es ursprünglich in diesem Beitrag gehen sollte. Das wird dann mal nachgereicht. Stattdessen Hornbachs Kampagne unterstützt. Medienopfer.

 

1 Comment

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.