Santa Marta, das Meer und ein missratener Flip-Flop-Kauf oder Der Weg in die Karibik Teil IV

Es gibt keine Traumhaften Bilder von Santa Marta. Santa Marta liegt zwar an der karibischen Küste, ist sonnenverwöhnt und ständig über 30°C heiß, aber der Strand ist schmutzig und industriell, die Altstadt kaum existent und dabei wenig reizvoll. So kommt es, das ich kein einziges Foto hiervon vorweisen kann. Das Hotel ist schäbig-schlecht, aber mit 4 $ unschlagbar günstig und zieht daher angenehme Leute an. Obwohl das Meer nur 200 m von meinem Hotel entfernt ist, sehe ich es erst am 3. Tag. Den zweiten Tag verbringe ich damit, die Stadt zu erkunden, nach einem Hostel zu suchen, das das anstehende Deutschlandspiel auf einer größeren Diagonale überträgt als 37 cm und freue mich, den ganzen Tag zu schwitzen. Ich finde kein besseres Hostel und ziehe in ein schlechteres, das vollgestopft ist mit partywütigen Australiern, die vor allem laut sind. Der deutsche Triumph über Australien macht hier irgendwie auch nur bedingt Spaß, auch wenn das alles faire Verlierer sind. :)Da mir ja auf dem Boot im Amazonas die Flip-Flops geklaut wurden, mache ich mich also auf die Suche nach neuen. Leider merke ich genau jetzt, dass dieser Satz in jedem x-beliebigen Blog stehen könnte, der eigentlich gar nichts zu sagen hat. Daraus schließe ich, dass ich eigentlich auch nichts zu sagen habe, höre auf und freue mich einfach auf alles was jetzt kommt. Denn von hier geht’s weiter in den Tayrona National Park, ein geschütztes Gebiet mit angeblich traumhaften Buchten, in denen man direkt am Strand in der Hängematte schlafen kann. Und das ist es doch, wofür ich hier bin!

Countdown in 10 Bildern – Oder die Reise in die Karibik Teil III

 

Ich bin da!

Irgendwie musste ich das Ende von diesem massiven Trip ja zelebrieren. Der Bus von Bogota halb das Land hoch, war wie immer übernacht. Weil das aber nur 8 Stunden waren, musste ich noch ziemlich lange in der Hauptstadt rumhängen. Dabei habe ich noch einen Bettler kennengelernt, der früher bei Hilton gearbeitet hat, die ganze Welt gesehen hat, aber heute um einige m&m’s betteln muss. Seine angebotene Stadtführung habe ich ausgelassen, sonst hätte der mich wohl völlig ausgezogen. Stattdessen habe ich noch das „Museum of modern Art“ besucht. Hat sich wirklich gelohnt, kann ich empfehlen! Nicht empfehlen kann ich dagegen leider, sich um 20 Uhr mit vollem Gepäck mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg zum Busbahnhof zu machen. Vor allem sollte man es vermeiden, zu hoffen, dass der Bus irgendwann nochmal umdreht, obwohl man die Haltestelle seit über einer Stunde verpasst hat. Einzig mir zu Gute halten kann ich, dass es keine Haltestelle
gibt. Nun ja, nachdem ich die Endstation erreicht hatte, wurde ich von meinem genervten Busfahrer in den ersten Bus gesteckt, der wieder zurückfuhr. Dessen Fahrer erhielt die Anweisung mich rauszuwerfen, sobald das Bus Terminal erreicht war. Diese Geschichte addierte also nochmal 3 Stunden Busfahrt zu dem 20 Stundentrip, der vor mir lag.

 

Unspektakulär war die Fahrt bis nach Bucaramanga. Dort war ich 10 Minuten, bin sofort in den anschließenden Bus gesprungen (wieder mal keine Zeit was zu essen oder trinken zu kaufen L ). Diese letzten 500 km habe ich versucht mit einem Foto jede Stunde zu dokumentieren. Stichzeit war XX:27, zweimal lag ich wenige Minuten daneben, ich bitte um Verzeihung.[singlepic id=1916 w=320 h=240 float=center]

Der Start. Es ist 9:27 Ortszeit. Eigentlich hätte es in dieser schönen Stadt gebratene Ameisen gegeben, eine lockale Spezialität. Am Busbahnhof konnte ich nichts dergleichen entdecken und für weitere Entdckungsreisen hätte ich ein Taxi in die Stat nehmen müssen. Das wiederum hätte mich den ganzen Tag gekostet, da es von hier noch (angeblich) 8 Stunden bis Santa Marta sind. Also Nachtbus oder direkt weiter. Ich habe mich für direkt weiter entschieden. Daher sieht man hier einen weißen Pick-up in der Morgensonne, wie er die Ausfahrt dieser Gasfabrik verlässt.

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Ich hatte noch gar nicht richtig gemerkt, dass wir schon losgefahren waren, daher ist dieses Foto von 10.28, statt, :27. Ich stelle fest, dass ich mich langsam nicht mehr drum schere, wie doof die Leute gucken. Denn in der Tat, scheinen die Mitreisenden nicht ganz zu verstehen, warum ich diese wenig spektkuläre bergab Serpentinenstraße fotografiere. Dabei steht sie exemplarisch für alle wahnsinningen Überholmanöver, die alle Busfahrer regelmäßig unternehmen.Denn diese Sichtverhältnisse findet der durchschnittliche Südamerikanische Pilot eines Reisebusungetüms durchaus ausreichend, um an dem voranfahrenden Vehikil vorbeizukriechen. Der Geschwindigkeitsunterschied muss dabei keineswegs besonders groß sein. Darüber hinaus kommt es vor, dass wir ein und denselben Wagen mehrfach überholen müssen, weil ich ja in einem mehr oder weniger öffentlichen Verkehrmitte sitze, das regelmäßig in Dörfern anhält.

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Das ist echt bitter hier. Vor einer Minute noch fuhr ich auf der Außenseite des Berges und hatte einen tollen Blick in das Hochland Kolumbiens. Tja, dann warte ich natürlich püktlich auf :27 und wir nehmen die Kurve und ich sehe nur noch steile Hänge in grün direkt vor meinem Fenster. Schade. Ich stelle dafür fest: Die nähe zum Äquator macht sich offensichtlich bemerkbar. Tropischer Regenwald auf ca. 2000m Höhe. In Chile war hier Wüste und bitterkalt. Hier freue ich mich ausnahmsweise mal über die (übrigens angenehm temperierte) Klimaanlage.

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Wo ich gerade von Chile spreche. Das hier erinnert fast an Argentinien oder noch viel mehr an Neuseeland. Endlos sanft geschwungene Hügel mit grasenden Kühen und im Hintergrund majestätische Berge. Die Anden sind dabei allerdings beeindruckender als das Gebirge in Neuseeland, vor allem auf der Nordinsel. Dafür ist die Luft dort klarer, hier ist irgendwie immer son Dunst der die Sicht doch arg einschränkt Ich bemerke darüber hinaus, dass die Klimaanlage keineswegs angenehm termperiert ist, sondern offensichtlich kaum funktionstüchtig ist, da mit der Außentemperatur auch die Innentemperatur merklich ansteigt.

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13:27 Uhr. Wir durchqueren wieder eine der mittlerweile recht zahlreichen Siedlungen am Straßenrand. Wiei ch im Goldmuseum in Bogota gelernt habe, durchfahre ich eine sehr fruchtbare Gegend, in der es viel regnet und sich daher gut für Agrarwirtschaft aller Art eignet. Ich denke, dass man heute die Probleme mit den wechselnden Flußläufen in den Griff bekommen hat, wovon die englischen Tafeln im Museum berichteten. Ich hoffe nach wie vor, dass wir pünktlich ankommen.

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Fotos haben die schöne Eigenschaft Bewegungen zu negieren. Ich weiß nicht, was der lustige Junge auf dem Fahrrad da tut, aber es sieht aus, als bewegt er sich dabei. Ist das ein Besen? Eine Brechstange?, Eine Krüke? Oder ein einfacher Stiel? Warum fuwerkt er am Hinterrad damit herum? Möchte er sich abstoßen? Der konzentrierte Blick nach unten macht mich glauben er suche etwas. Oder möchte etwas einsammeln. Um ein Tier scheint es sich nicht zu handeln. Ich werde es nie erfahren, eigentlich mochte ich ja auch den grünen LKW und habe deswegen das Foto gemacht. Ins Zentrum rückt stattdessen die Shell-Werbung. Toll finde ich auch den gelben Regenmantel am rechten Bildrand.

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Das ist kein Witz, wieder fuhren wir genau um :27 durch einen Ort. Offentsichtlich ist hier, dass dieser namenlose Ort nur aus dieser Kreuzung besteht.. Niemand erwartet in dem grünen Wald dahinter eine Fortsetzung der Siedlung. Ach, ich mag es, wie die Männer draußen auf ihren roten Plastikstühlen lümmeln, den Tag vertrödeln und sich trtozdem immer etwas zu erzählen haben. Ich glaube man kann sich im Spanischen unheimlich schlecht ausdrücken, sonst könnten die sich doch nicht jeden Tag stundenlang unterhalten, während sie einfach an einer Straße sitzen, wo der tägliche Reisebus aus [XXXXXXXX] ein Highlight sein dürfte. Meine Erfahrungen mit Spanisch bestätigen diese These.

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Das sind so was wie meine Lieblingsfotos.Diese Einrichtungen mit offenen Kiosken, die einfach Snacks, günstige Softdrinks und kaltes Bier verkaufen. Das ist so sozial. So integrativ. Hier wird offensichtlich dem jungen Mann mit der merkwürdigen Fußstellung gelauscht. Etliche Bier, die hier nach Südamerikanischen Vorbild vermutlich jeweils mehrfach durch alle Hände gegangen sind (siehe Eintrag DAS WARS I). Ein Wort zu den günstigen Softdrinks: Hier wird Cola in kleinen Glasflaschen verkauft, so rund 200 bis 250 ml. Diese Glasflaschen haben eine Art Pfand, das heißt man darf den Laden damit nicht verlassen. Und sie sind supergünstig, run 20-30 Cent. Eine wunderbare Gelegenheit um ein wenig die Geschwindigkeit rauszunehmen, einen Moment durchzuatmen. Eine Cola kann man in 5 Minuten trinken, das stillt den Durst und zwingt einen, sich ein wenig auf Detaills wie Einrichtung in solchen Läden einzulassen, vielleicht ein paar Sätze mit dem Besitzer zu sprechen oder sich in die Perspektive desselben hineinzuversetzen, wie er die Welt durch die offene Tür draußen vorbeihasten sieht. Ich mag das.

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Hier war ich spät dran, die anderen Bilder sind schon 17:28, daher dieses Anti-Schmuckstück. Schon wieder ein grüner LKW. Der gelbe Pfeiler im Vordergrund begrenzt eine der zahlreichen Mautstellen, die wir ständig passieren. Ganz Südamerika scheint Maut auf der Straße zu haben. Dabei sind die Straßen selten gut genug, um sich mit zumindest deutschen Standards messen zu können. Gewöhnlich läuft hier die Bezahlung ber die Anzahl der Achsen und kann schon mal 4 $ pro Abschnitt kosten. So oft wie wir hier halten, summiert sich das schon ganz schön. Und einfach mal ne Umleitung fahren, geht hier nicht, weil das hier die einzige Straße ist. Wenn mans recht überlegt, ist das also so eine Art Monopolstellung, die der Staat hier gnadenlos ausnutzt. Skandalös.

 

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Das letzte Bild, leider nicht das Ende der Busfahrt. Mittlerweile 18:27, wir sind bei über 9 Stunden nun, ich kann verraten, dass ich erst eineinhalb Stunden später mitten an einer vielbefahrenen Kreuzung den Bus verlassen durfte. In einem Ort, der nicht mal auf der Landkarte ist. Warum der riesige Reisebus nicht in die halbe Million Einwohner Stadt fährt, in die ich eigentlich gebucht hatte, verrät mir hier niemand. Stattdessen erfahre ich, dass ich ein Sammeltaxi nehmen muss, das noch mal ne halbe Stunde braucht, um mich am nicht ungefährlichen Stadtrand von Santa Marta rauszulassen. Eine weitere Taxifahrt und schon komme ich im günstigsten Hotel in Kolumbien (das ich benutzt habe) an. Es ist etwa 22 Uhr, ich hab wieder mal den ganzen Tag nichts gegessen, aber es juckt mich nicht die Bohne, denn: Ich kann das Meer riechen und der Schweiß rinnt wegen schwülen 32°C auch noch mitten in der Nacht!